Wenn die Sonne ab fünf Uhr nachmittags durch die Fenster fällt und draußen das Leben langsamer wird, beginnt bei uns die schönste Stunde des Tages. Aperitivo ist im Procacci nicht einfach ein Drink vor dem Essen, sondern ein eigenständiger Moment mit einer langen Tradition aus Mailand, Turin und Padua. Wer schon einmal in einer guten italienischen Bar an einem hohen Tisch gestanden hat, weiß was gemeint ist: ein perfekt eisgekühlter Cocktail in der Hand, dazu kleine Häppchen, leise Stimmen, das vertraute Klirren der Gläser. Im Folgenden stellen wir die fünf Klassiker vor, die diesen Sommer am häufigsten über unseren Tresen wandern.

1. Aperol Spritz: der unverwüstliche Klassiker
Sechs Teile Prosecco, vier Teile Aperol, ein Schuss Soda. So einfach ist das Rezept, und doch kommt es auf jedes Detail an. Wir verwenden einen trockenen Prosecco aus dem Valdobbiadene, kein süßes Konkurrenzprodukt, und befüllen das Glas zuerst mit Eis bevor der Aperol kommt. Die Orangenscheibe ist kein Deko-Schnickschnack, sondern aromatischer Beitrag zum Trinkerlebnis. Wer den Spritz zum ersten Mal richtig gut bekommt, versteht warum dieses Getränk seit den späten Neunzigern aus norditalienischen Bars nicht mehr wegzudenken ist.
2. Negroni: für die ernsten Trinker
Der Negroni gilt als der „erwachsene“ Aperitivo. Gleiche Teile Gin, Campari und süßer Wermut, gerührt im Tumbler mit großem Eiswürfel, dazu ein dicker Streifen Orangenschale dessen Öle zerdrückt am Glasrand verrieben werden. Wer ihn das erste Mal probiert, ist meist überrascht von der Bitterkeit. Wer nach dem zweiten Schluck weitertrinkt, hat ihn meistens für immer gefunden. Bei uns ist er ganzjährig auf der Karte, im Sommer mit dem etwas frischeren Bombay Sapphire, im Winter mit einem schwereren London Dry.

3. Hugo: die fruchtige Alternative
Holunderblütensirup, frische Minze, Prosecco, Soda, Limette. Der Hugo stammt eigentlich aus Südtirol, ist aber inzwischen so eng mit dem italienischen Sommer verbunden dass kein Aperitivo-Angebot ohne ihn auskommt. Wir machen unseren Sirup nicht selbst, da gibt es einen kleinen Erzeuger aus dem Vinschgau dessen Produkt einfach gut ist. Wichtig ist die Frische der Minze: zerquetscht, nicht zerhackt, und unbedingt direkt vor dem Servieren ins Glas.
4. Americano: der vergessene Großvater
Bevor es den Negroni gab, gab es den Americano: Campari, süßer Wermut, Soda, Orangenscheibe. Etwas leichter als sein Nachfolger, viel besser geeignet für lange Sommerabende auf der Terrasse weil man drei davon trinken kann ohne ins Wanken zu geraten. Bei uns ist er eher ein Insidertipp, viele Gäste kennen ihn nicht mehr. Wer einen Negroni mag, sollte den Americano probieren, allein um die Entwicklung zu schmecken.
5. Bicicletta: das Geheimnis aus dem Piemont
Eine Mischung aus Weißwein und Campari, ergänzt mit Soda. Der Name kommt vom alten Bild der Bauern die nach drei Bicicletta-Drinks mit ihrem Rad nach Hause zickzackten. Ein leichter, herber, hellroter Drink der besonders zu Antipasti passt. Wir verwenden einen trockenen Gavi, ungewöhnlich für viele Gäste, aber genau richtig wegen seiner Mineralität gegen die Bitterkeit des Campari.
Was dazu gehört: kleine Häppchen, keine ganze Mahlzeit
In Italien gehört zum Aperitivo eine kleine Auswahl an Antipasti: Oliven, Brotchips, Salami, Käsewürfel, Tomaten mit Mozzarella. Bei uns gibt es eine Auswahl an italienischen Antipasti im Holzbrett, die du dir an unsere Bar bestellen kannst. Wichtig ist die Idee: Aperitivo soll den Hunger anregen, nicht stillen. Wer mit vollem Magen am Aperitivo-Tisch sitzt, hat es verkehrt herum gemacht.
Wann kommst du vorbei?
Aperitivo-Stunde im Procacci ist Montag bis Samstag von 17 bis 19 Uhr. Wer einen ruhigen Platz möchte, sollte früh kommen, etwa kurz nach fünf. Wer Trubel mag, kommt um sieben wenn die Bar voll wird. Beides hat seinen Reiz. Reservierungen sind für die Aperitivo-Stunde nicht möglich, der Stehplatz an der Bar gehört spontan dazu. Wir freuen uns auf dich.

